Abschrift aus Romanshorn Tagblatt, Montag, 27. August 2007:

Matrosenkluft auf der Seeparkwiese

Seemannschöre animierten am Sea-Folf-Song-Festival in Romanshorn zum Mitsingen

Zahlreiche Besucher kamen am Samstag auf die Seeparkwiese. Besondere Höhepunkte waren die Auftritte der französischen, kanadischen und neuseeländischen Gruppen.


von JEANETTE  HERZOG


«Die Französinnen haben uns besonders gefallen. Sie sind originell, witzig und temperamentvoll», sagte ein Segler aus Uttwil. Viele Segler und Wassersportler waren am Festival anzutreffen. «Als Segler muss man die lieder einfach kennern», meinte der Uttwiler. Seine Frau: «Wir sind extra früher vom Segeln zurückgekommen». Am besten gefielen ihnen irische, englische und französische Seemannslieder. Diese hätten einfach mehr Charme als deutsche. «Shanty-Chöre müssen spontan sein, es ist schade, dass bei einzelnen zu viel Band und zu wenig Chor zu hören ist», urteilte die Seglerin fachkundig.

In den Händen der Seeleute

Über 20 Chöre aus der ganzen Welt waren für das Festival angereist. Sie kamen aus Deutschland, Kanada, Neuseeland, Frankreich, Polen, Norwegen, England, Italien und der Schweiz. Die Seeparkwiese war in den Händen der Seeleute. Nicht nur die Sänger, auch mancher Zuhörer trug Matrosenkluft oder Piratenkopftuch. In den drei Zelten auf der Wiese fand ein Konzert nach dem andern statt. Eine stattliche. Anzahl von Besuchern pendelte zwischen den Zelten hin und her. «Es ist schade, dass die Konzerte nicht an einem Ort stattfinden; man verpasst zwangsweise einige Gruppen», meinte eine Besucherin aus Stäfa, bevor sie in den Refrain einfällt. Musiziert wurde nicht nur in den Zelten; auch in traditioneller Umgebung auf den Kursschiffen und Autofähren gaben die Sänger ihre Lieder zum Besten.

Erfolg für Gastgeber

Die Darbietung der Gastgeber, der Singing Sailors Crew aus Romanshorn, stiess auf grosses Interesse. Sie sangen im Hauptzelt, die Festbänke füllten sich zusehends, es wurde lautstark mitgesungen und applaudiert. Mit viel Charme und Witz präsentierten sie ihre Lieder. Nach dem Konzert erklatschte sich das Publikum eine Zugabe. Der Auftritt zu ihrem 20-Jahre-Jubiläum war ein voller Erfolg. Am Samstagabend fand die Sailors Gala statt. Die besten Chöre und Gruppen traten noch einmal auf der Hauptbühneauf.


Befragt


«Schiffbruch und Mädchen»

Rude Sunde

Chorleiter Neuseeland

Herr Sunde, Sie sind mit Ihrer Gruppe weit gereist für dieses Festival, wie gefällt es Ihnen hier?

Es ist phantastisch. Wir sind direkt am See, das Wetter ist wunderbar und die Leute sind freundlich.

Wie lange singen Sie schon Shantys und Seasongs?

Ich mache seit 50 Jahren Volksmusik. Vor 13 Jahren hat sich die Gruppe gebildet, um Shantys und Seasongs zu singen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Shanty und einem Seasong?

Shantys sind Arbeitslieder und Seasongs sind Balladen, die eher in der Freizeit gesungen wurden. Ich schreibe selber Seasongs. Die Lieder handeln insbesondere von Schiffen, Schiffbruch und Mädchen. Ich selbst bin kein Segler, wohne aber in Hafennähe in Auckland.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre selbst komponierten Lieder?

Ich lasse mich inspirieren. Die Idee für meinen ersten Song habe ich einem tragischen Schiffsunglück zu verdanken.

Werden Sie beim slowup mit dabei sein?

Ich bin schon 60 Jahre nicht mehr Rad gefahren; also eher nicht. Am Montag reisen wir wieder ab. (jhe)

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